[Filmrezension] Bruder vor Luder

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Zusammenfassung:

Den YouTube-Stars Heiko und Roman Lochmann reicht es nicht länger, dass sich ihr Ruhm nach Klicks im Video-Netzwerk bemisst. Sie wollen physischen Applaus und planen deswegen ihr erstes, eigenes Konzert. Doch das so stabile, von Vertrauen und Verlässlichkeit geprägte Verhältnis der Brüder gerät in Gefahr, als sich Jessy (Milena Tscharntke), die Schwester der in Roman verliebten Bella (Tara Fischer), zwischen die Jungs drängt. Die „Fame Bitch“ Jessy tut alles dafür, Aufmerksamkeit zu bekommen. Sie verkleidet sich als Mauerblümchen, verbringt Zeit mit Heiko und hat ihn wenig später am Haken. Für den Verknallten ist seine YouTube-Karriere plötzlich nicht mehr wichtig, das Konzert gerät ebenfalls in Vergessenheit – sehr zum Ärger von Roman. Was ist nur aus dem Grundsatz „Bruder vor Luder“ geworden? 



Liebe YouTuber, ich kann verstehen, dass es euch reizt, einen Kinofilm zu machen, aber bitte kümmert euch vorher darum, dass ihr es auch spielen könnt. Nach Kartoffelsalat kommt nun der zweite Film dieses Jahr mit YouTubern raus. „Bruder vor Luder“ nennt sich der Film. Klingt doch eigentlich interessant oder? Und der Trailer ist es auf jeden Fall. Da hat man ganz brav die witzigsten Stellen zusammengeschnitten, um etwas Brauchbares daraus zu machen. Und somit lockt man bestimmt auch noch viele Leute ins Kino. Hinterher kann ich mir nur denken: Gut, geh nie wieder in so einen Film. Warum? Die Erklärung werdet ihr gleich finden.

Als erstes muss ich jedoch sagen, dass mir die Story eigentlich richtig gut gefallen hat. Sie hatte durchaus Potenzial und war auf die Lochis abgestimmt. Meiner Meinung nach passte sie perfekt zu ihnen, denn ich kann mir gut vorstellen, dass es ihnen im richtigen Leben auch manchmal so ergeht.
Allerdings gab es da einfach Dinge, die mich gestört haben. Da ist zum Beispiel die Tatsache, dass man eigentlich jeden Schritt voraussehen kann. Jessy ist eine Zicke. Und solche Leute gewinnen am Ende des Films nie. Bella dagegen ist das „Opfer“ von Jessy und natürlich bekommt sie am Ende ihr großes Liebesglück. Das ist alles keine Überraschung. Doch ich hätte wenigstens erwartet, dass man das Ende etwas kreativer macht. Bei so einem Konzert hätte wesentlich mehr passieren können. Vielleicht ein ganz großes Desaster? Das wäre auf jeden Fall hilfreicher gewesen als dieser schwache Versuch, ein Drama zu erschaffen, welches dann zu schnell wieder gelöst wird.
Insgesamt ist die Story nachvollziehbar, aber definitiv noch nicht ausgereift. Und wenn es sich schon um YouTuber dreht, dann macht doch bitte ein bisschen mehr davon! =D Und nicht bloß so als Hintergrundgeschichte, warum das überhaupt passiert.

Und jetzt kommt wohl der Punkt, der mich am meisten gestört hat. Bei Roman und Heiko (peinlich, musste grad gucken, wie die beiden heißen =D) gab es einfach Stellen, die absolut gar nicht überzeugen konnten. Ich weiß nicht, ob ihr das kennt, aber in manchen Situationen wirkt die Stimmung richtig angespannt. Obwohl da vielleicht etwas Lustiges sein soll. Genauso ging es mir hier sehr oft. Beide sind keine Schauspieler, weshalb es Momente gab, in denen man das auch bemerkt hat. Wenn man sich als YouTuber also dazu entscheidet, einen Kinofilm zu machen, dann trainiert das doch bitte. Es ist schwer, kann ich mir vorstellen, aber wenn der Film ein voller Erfolg werden soll, dann ist das wahrscheinlich ein eher kleiner Preis. Ich bin sicher, dass beide Hilfe bekommen haben, aber irgendwie war mir das noch zu wenig. Ich weiß nicht, wie es hinter den Kulissen gelaufen ist, aber ich denke mir, dass man das doch gemerkt haben muss.
Nun aber zu einem Pluspunkt. Die anderen Schauspieler konnten mich vollkommen überzeugen. Ich muss gestehen, dass ich mich unter YouTubern überhaupt nicht auskenne. Aber ein Film macht ja nicht nur sie aus, sondern viel mehr. Dieses „viel mehr“ haben mir wirklich Tara Fischer und Milena Tscharntke gegeben. Milena habe ich ihre Rolle als zickige Jessy echt abgekauft. Ich finde es bei ihr schwer, sie von ihrer Rolle zu trennen. Und das zeigt mir, dass sie es geschafft hat mich zu überzeugen. Auch Tara hat ihre Rolle grandios gespielt. Die hätte aber vielleicht ein bisschen größer sein können. Womit wir wieder bei dem Potenzial der Story wären, das nicht vollkommen ausgenutzt worden ist. Die Schuld der beiden Schauspielerinnen ist das aber definitiv nicht. =)

Was ist mir sonst noch so aufgefallen? Hinterher im Abspann durfte ich feststellen, dass mehr YouTuber mitgemacht haben, als ich überhaupt bemerkt habe. Einige Leute sind hinterher dann gleich auf Dagi losgegangen. Ich kann nicht sagen, ob ich sie mag oder nicht. Ist mir eigentlich auch recht egal. Hier geht es um die Leistung im Film, nicht um die ihre sonstigen Leistungen. Und auch wenn die Rolle klein war, kam sie mir sehr überzeugend als blöde Blondine rüber. Sie hat die Rolle als kleines Blondchen, das der Anführerin hinterher hechelt klischeemäßig gespielt.
Wie sie allerdings wirklich ist, können nur wenige Personen sagen. Daher möchte ich alle, die das lesen bitten, überlegt, ob ihr sie wirklich hasst. Oder findet ihr einfach ihr Auftreten in der Öffentlichkeit nicht so toll? Das ist ein großer Unterschied. =)
Weiterhin muss ich sagen, dass es eine Stelle im Film gab, die mich vollkommen mitgerissen hat und bei der ich mir gewünscht habe, dass der Rest des Films so wird. Das ist nämlich die Szene im Schwimmbad, die ihr auch im Trailer findet. Bei 1:52 glaube ich. Da lacht Roman und das war der Moment, den ich im ganzen Film am echtesten fand. Allgemein ist diese Schwimmbad-Szene zum Totlachen. Ich konnte wirklich nicht mehr aufhören damit. Interessante Badehose, Heiko! =D
Weiterhin muss ich sagen, dass der Dialekt der beiden absolut niedlich ist. Mir ist das manchmal wirklich aufgefallen. Ich kann nicht sagen, ob es Hochdeutsch ist, aber für mich hört es sich nicht ganz so an. Kann aber auch sein, dass ich kein richtiges Hochdeutsch kenne. In Sachsen ist das nicht so verbreitet. =D
Und eine Sache noch, die mir erst gerade eben aufgefallen ist. Die beiden sind etwas mehr als ein Jahr nur älter als ich! =O Der Schock sitzt tief. Ich hätte beide älter geschätzt. =D

Und nun zum letzten Teil der Rezension: Was möchte mir dieser Film sagen? Meine intelligente Idee von gestern ist leider nicht mehr da, aber dafür gibt es eine Sache, die mir persönlich aufgefallen ist. Und zwar das Vertrauen! Wir sollten nicht plötzlich an Personen zweifeln, die wir unser ganzes Leben kennen und bei denen wir wissen, dass sie uns nicht verarschen würden. Lasst euch nie blenden von irgendwelchen dahergeschlichenen Schleimern. Vertraut auf Bekanntes, dann könnt ihr euch auch auf Unbekanntes einlassen. Mit dem Wissen, dass man im Falle eines Sturzes aufgefangen wird, lässt sich der schmale Weg über den Abgrund leichter bewältigen. Und vielleicht wartet am Ende noch mehr Vertrauen? Vergesst dann aber nie die Personen, die euch zu dem Punkt geholfen haben.
Ebenfalls sollte Geld kein Kriterium für die Auswahl einer Person sein. Denkt nach, bevor ihr euch auf Personen einlasst. Lernt sie kennen! Verbringt Zeit mit ihnen. Und trefft keine vorschnellen Entscheidungen. Aber selbst wenn die Entscheidung schon recht zeitig getroffen ist, vergesst nie eure Pflichten!
Wir alle haben nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten. Manchmal wird das zu schnell vergessen und die Konsequenzen können weit darüber hinausgehen als wie der im Film gezeigte Patzer während des Konzerts.


„Bruder vor Luder“ ist ein Film, der sehr viel Potenzial hat, das an manchen Stellen jedoch nicht zu genüge ausgenutzt wird. Trotzdem hat besonders das Lied einen absoluten Ohrwurmeffekt, weshalb ich den Film immer im Gedächtnis behalte. Für die Lochis wünsche ich mir, dass sie noch ein bisschen mehr daran arbeiten, natürlich zu wirken. Bei YouTube klappt das doch auch ganz gut. Stellt euch einfach vor, ihr macht ein YouTube Video. Dann klappt es demnächst auch mit dem Kinofilm. =)

Gesamtbewertung:

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